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Studie: E-Bikes ersetzen zunehmend Autofahrten

Verkehrsforscher und Studien Co-Autor Leonard Arning spricht im Interview über die unterschätzte Revolution der Pedelecs.

Kategorie

Aktuelles

Datum

März 2026

E-Bikes haben sich längst vom Nischenprodukt zum festen Bestandteil unserer Mobilität entwickelt. Doch was wir lange als schnelleres Fahrrad betrachtet haben, könnte der Schlüssel zur Verkehrswende sein: Eine aktuelle Studie zeigt, dass bis zu 43 Prozent aller E-Bike-Fahrten Autofahrten ersetzen, bei den Kilometern sind es sogar über 60 Prozent.

Ein Gespräch mit Mobilitätsforscher und Studienautor Leonard Arning über lebenswertere Städte dank E-Bikes, über die Idee einer neuen Fahrzeugkategorie für Pedelecs und über sein altes Klapprad ohne E-Antrieb.

In Deutschland werden mehr Autofahrten durch E-Bike-Fahrten ersetzt als in den Niederlanden

Herr Arning, Sie haben in Ihrer neuen Studie herausgefunden, dass E-Bikes massiv Autofahrten ersetzen. Was sind weitere zentrale Ergebnisse Ihrer Forschung?

Unser Ziel war herauszufinden, welche Faktoren beeinflussen, ob Menschen für einen bestimmten Weg ein konventionelles Fahrrad, ein E-Bike oder ein anderes Transportmittel wie das Auto wählen. Dabei haben wir unter anderem die Bedeutung von Radverkehrsinfrastruktur und Steigungen untersucht. Ein sehr spannendes Ergebnis waren die sogenannten Verlagerungseffekte. Wir haben festgestellt, dass bis zu 43 Prozent der Wege, die mit dem E-Bike zurückgelegt werden, ohne verfügbares E-Bike mit dem Auto zurückgelegt worden wären. Bei den Kilometerzahlen liegt der Anteil sogar bei über 60 Prozent.

Hat Sie überrascht, dass E-Bikes so viele Autofahrten ersetzen?

Definitiv. Studien aus anderen Ländern wie den Niederlanden zeigen nämlich, dass E-Bikes dort hauptsächlich Strecken ersetzen, die zuvor mit konventionellen Fahrrädern gefahren wurden. In Deutschland konnten wir jedoch etwas anderes beobachten, besonders in Städten mit besonderen Herausforderungen wie Steigungen oder in weniger fahrradaffinen Gegenden. Menschen, die früher das Auto genutzt hätten, steigen in solchen Situationen vermehrt auf das E-Bike um. Hier haben E-Bikes das Potenzial, Mobilitätsgewohnheiten radikal zu verändern. Unsere Studie liefert Hinweise darauf, dass wir das Potential von E-Bikes für eine Verkehrswende nicht unterschätzen sollten.

E-Bikefahrer:innen legen längere Strecken zurück als konventionelle Radfahrer:innen. Außerdem lassen sie sich weniger von schlechter Radverkehrsinfrastruktur abschrecken und nutzen öfter Wege, bei denen die Radler:innen auf Bio-Bikes aufgrund von schlechten Bedingungen auf andere Verkehrsmittel umsteigen würden.
Dr. Leonard Arning
Mobilitätsexperte, SSP Consult, Köln
JobRad-Moment 0177 2020

Was machen E-Bike-Fahrer:innen anders als klassische Radfahrende?

Unsere Studie zeigt, dass E-Bike-Nutzer:innen sich anders verhalten. Das auffälligste Merkmal ist, dass sie längere Strecken zurücklegen als konventionelle Radfahrer:innen. Außerdem lassen sie sich weniger von schlechter Radverkehrsinfrastruktur abschrecken und nutzen öfter Wege, bei denen die Radler:innen auf Bio-Bikes aufgrund von schlechten Bedingungen auf andere Verkehrsmittel umsteigen würden. Das hat viel mit der Leistungsfähigkeit von E-Bikes zu tun, die zum Beispiel das Fahren im Mischverkehr mit Autos bei Tempo 30 entspannter machen.

„E-Bikes sollten eine eigene Fahrzeugkategorie sein“

Sie schlagen vor, E-Bikes als eigene Fahrzeugkategorie zu betrachten. Warum?

E-Bikes werden häufig als eine Art schnelleres Fahrrad kategorisiert, aber das wird ihrer tatsächlichen Nutzung nicht gerecht. Wir haben in unserer Forschung festgestellt, dass sie eigene Charakteristika haben, zum Beispiel ganz andere Nutzungsmuster oder Präferenzen bei der Auswahl von Fahrstrecken.

Ihre Daten stammen aus 2017, als E-Bikes noch Nischenprodukte waren. Würde eine neue Studie heute andere Ergebnisse bringen?

Ja, ganz bestimmt. 2017 waren es die Early Adopters, also Menschen, die aus dem E-Bike den größten Nutzen gezogen haben, die als erstes E-Bike gefahren sind. Inzwischen sind auch viele Leute umgestiegen, die schon vorher Rad gefahren sind. Deshalb nehmen wir an, dass E-Bikes zunehmend auch konventionelle Fahrradfahrten ersetzen.

Lebenswertere Städte dank E-Bikes

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der E-Mobilität auf zwei Rädern?

Ich nehme als Wissenschaftler ja eine neutrale Position ein und versuche erst mal nicht zu werten. Und doch habe ich Wünsche: Zum Beispiel, dass unsere Forschungsarbeit dazu beiträgt, dass eine bessere Radinfrastruktur geplant und gebaut werden kann. Und dass dann auch mehr Leute Rad fahren. Das trägt nicht nur zur körperlichen Gesundheit bei, sondern hilft auch, Städte lebenswerter zu machen.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Hat sich Ihr Mobilitätsverhalten durch Ihre Studie verändert und fahren Sie selbst ein E-Bike?

Ich denke beim Radeln schon darüber nach, warum ich jetzt hier lang fahre oder eine Abkürzung nutze. Trotzdem treffe ich, wie die meisten, am Ende die Wahl meiner Wege intuitiv. Menschliche Gewohnheiten sind eben stark. Das E-Bike hat jedoch vermutlich schon das Potenzial, solche Muster zu durchbrechen. Aber ich selbst radle weiterhin ohne elektrische Unterstützung: mit einem normalen Klapprad.

Zur Person

Dr. Leonard Arning war Mitarbeiter am Lehr- und Forschungsgebiet Radverkehr der Bergischen Universität Wuppertal und hat dort zusammen mit Rad-Professorin Heather Kaths eine E-Bike-Studie durchgeführt. Er hat inzwischen seine Promotion abgeschlossen und bringt seine Expertise ins Ingenieurbüro SSP Consult in Köln ein, wo er an Mobilitätslösungen für die Verkehrsplanung der Zukunft arbeitet

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